20.11.2019
MUN Ausflug nach München
Model-United-Nations-Konferenzen (MUNs) sind Planspiele, bei denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in die Rolle von Delegierten bei den Vereinten Nationen schlüpfen. Esther, Schülerin der Jahrgangsstufe 12, berichtet über die Konferenz in München.

Der Ausflug nach München war eine ganz besondere Erfahrung, die ich um nichts in der Welt missen möchte. Es begann damit, dass ich zusammen mit den Lehrern den gesamten Ausflug über Wochen hin geplant und vorbereitet hatte, und mit der Europäischen Schule in München im regen Kontakt stand. Umso größer also war meine Angst bzw. Hoffnung, dass alles gut gehen würde.

Suvd und ich als Chairs mussten schon früher als die anderen anreisen, also machten wir uns alleine auf den Weg nach München. Das klappt ausgezeichnet und wir waren pünktlich zum Termin, bei dem wir in unsere Rolle als „Chair“ (Diskussionsleiter und höchstes Amt innerhalb einer Kommission) eingewiesen wurden und unsere (uns unterstellte) „Deputy Chairs“ kennengelernt haben.

Am nächsten Tag also war mein erster Tag als Chair. Glücklicherweise knüpft man am ersten Tag Allianzen, sodass wir Chairs noch nicht in unserer Rolle aktiv werden mussten und unsere Kommission erst einmal beschnuppern konnten. Trotzdem war ich am Abend sehr müde, zur Flügelzeit um 23:30 Ihr lag ich im Bett, um Kraft für meinen ersten richtigen Tag als Chair sammeln zu können.

Am Mittwoch musste ich in den Raum für meine Kommission eintreten und mich natürlich souverän und erfahren präsentieren, damit meine Autorität anerkannt werden würde. Glücklicherweise hatten mein Deputy Chair (Froukje) und ich das Glück eine wirklich tolle Gruppe von Menschen in unserer Kommission zu haben, sodass dies keine große Schwierigkeit darstellte- nachdem wir unser „debrief“ mit den anderen Chairs hatten und hörten, dass bei ihnen alles nur Erdenkliche schiefgelaufen war, war das eine große Erleichterung. Ähnlich lief es am Donnerstag, die Delegierten hatten alle etwas an Selbstbewusstsein gewonnen und waren so etwas aktiver als vorher – an sich sicherlich gut, aber für einen Chair bedeutet dies deutlich mehr Arbeit, denn mehr Fragen müssen beantwortet werden, mehr Leute drangenommen werden und es ist schwieriger, die Kontrolle zu bewahren. An meiner Kommission gab es nichts auszusetzten, meine Autorität blieb bewahrt und ich bekam viele Komplimente für meine Arbeit – viele fragten mich sogar, wie oft ich schon als Chair tätig gewesen war, bevor ich nach München kam, da ich so souverän gehandelt habe. Selbstverständlich machte mich das sehr stolz. Abends gab es dann eine offizielle MUN Party, wo ich viele aus meiner Kommission näher kennenlernen und meine Kontakte weiter ausbauen konnte.

Der nächste und letzte Tag war bei Weitem am anstrengendsten und – viel wichtiger – am aufregendsten.  Alle Kommissionen kamen zusammen in einen Saal, in dem die besten Resolutionen debattiert wurden. Während die Resolution aus meinem Komitee debattiert wurde, musste ich auch die Diskussion leiten – mit 5-mal so vielen Leuten im Saal. Das war aber noch nicht alles: der Sicherheitsrat hatte sich am vergangenen Tag eine hypothetische Krise überlegt, bei der die bisherigen politischen Strukturen komplett umgeworfen wurden, was zur Folge hatte, dass es großen Tumult in den Sitzreihen gab und ich Probleme hatte, den Saal unter meine Kontrolle zu bringen. Nachdem ich meinen Hammer auf den Tisch schlug und laut „Order“ brüllte (auch dafür bekam ich viele Komplimente)., war es letztendlich ruhig. Dann war meine Zeit als Chair auch schon vorbei und es hieß Abschied von den anderen zu nehmen, um rechtzeitig zum Spetzgarter Abendbrot wieder auf dem Schloss zu sein. Ich hasse es, mich zu verabschieden, vor allem, wenn man in so kurzer Zeit so viele Stunden miteinander verbracht hat, aber dank der sozialen Medien bin ich jetzt weiterhin mit vielen im Kontakt und tausche mich weiterhin mit ihnen über politische Tagesthemen aus.

Esther Evers

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Persönlichkeiten bilden.