18/02/2026

Zeitzeugin Dr. Eva Umlauf zu Gast in Salem

von Johannes Schweizer, Fachschaftsleiter Geschichte
Die Holocaust-Überlebende sprach vor den Schülerinnen und Schülern über ihre Kindheit in Auschwitz – eine Begegnung, die bewegte und zum Nachdenken verpflichtete.

„Erinnern ist Arbeiten an der Zukunft“ – dieses Zitat der Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann beschreibt prägnant, warum gerade die Auseinandersetzung mit der Geschichte des Nationalsozialismus ein unverzichtbarer Bestandteil schulischer Bildung bleibt. Gerade für junge Menschen ist es von zentraler Bedeutung zu verstehen, wohin Ausgrenzung, Antisemitismus und die Missachtung demokratischer Werte führen können.

Im Bildungsplan der 9. Klasse in Baden-Württemberg ist das Thema Nationalsozialismus fest verankert. In Salem wird es jedoch nicht allein im Unterricht behandelt. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Biografienprojekt, in dessen Rahmen sich die Schülerinnen und Schüler intensiv mit einzelnen Lebensgeschichten von Verfolgten auseinandersetzen. Die Begegnung mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen stellt dabei einen unschätzbar wertvollen Bestandteil dar.

In diesem Schuljahr hatte die 9. Klasse und das Leistungsfach Geschichte erneut die besondere Gelegenheit, mit Eva Umlauf ins Gespräch zu kommen. Am 4. Februar besuchte sie die Schule Schloss Salem und berichtete eindrücklich von ihrer Geschichte. Gemeinsam mit ihrer Mutter überlebte sie als Kleinkind das Konzentrationslager Auschwitz.

Geboren wurde sie 1942 im slowakischen Lager Nováky. 1944 wurde sie mit einem der letzten Transporte nach Auschwitz deportiert. Ihr Vater wurde auf einen der sogenannten Todesmärsche in das Konzentrationslager Mauthausen geschickt und starb dort an den Folgen einer Sepsis. Am 27. Januar 1945 wurden Mutter und Tochter von der Roten Armee befreit. Nach ihrer Rückkehr in die Slowakei erfuhren sie, dass nahezu ihre gesamte Familie ermordet worden war.

Besonders bewegend war für die Schülerinnen und Schüler die Schilderung jener Szene, in der ein Lagerarzt zu ihrer Mutter sagte: „Vergessen Sie das Kind, es wird nicht leben.“ Dass Eva Umlauf heute als Ärztin, Autorin und engagierte Zeitzeugin vor jungen Menschen spricht, ist ein eindrucksvolles Zeugnis von Überlebenswillen und menschlicher Stärke.

Heute lebt sie in München und hat ihre Erfahrungen in zwei Büchern verarbeitet. Zudem wurde sie im März 2025 zur Präsidentin des Internationalen Auschwitz Komitee gewählt. In dieser Funktion vertritt sie die Interessen der letzten Überlebenden der Shoah und setzt sich für die Bewahrung der Erinnerung ein.

Im Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern wurde deutlich, wie sehr persönliche Begegnungen das historische Lernen vertiefen. Die eintätowierte Häftlingsnummer auf ihrem Arm, bis heute sichtbar, macht Geschichte greifbar und konkret. Die Fragen im Anschluss an den Vortrag zeigten, wie intensiv sich die Jugendlichen mit dem Gehörten auseinandergesetzt hatten.

Gerade vor dem Hintergrund eines Wiedererstarkens rechtsextremer Bewegungen und zunehmendem Antisemitismus unterstrich Eva Umlauf die Verantwortung der jungen Generation, Demokratie aktiv zu schützen und sich jeder Form von Menschenfeindlichkeit entgegenzustellen.

Die Begegnung war für die Schülerinnen und Schüler ebenso wie für die anwesenden Lehrkräfte und Gäste ein nachhaltig prägendes Erlebnis. Unser herzlicher Dank gilt den Friends of Salem, die diesen wichtigen Besuch ermöglicht haben. Mit dem Besuch der Gedenkstätte des Konzentrationslagers Dachau im März wird die Auseinandersetzung noch weiter vertieft und mit den Schülerinnen und Schülern abschließend verarbeitet.  

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