Outward Bound Norwegen – zwischen Wildnis, Stille und Stolz
Outward Bound war eine der unvergesslichsten und herausforderndsten Erfahrungen, die ich je gemacht habe. Die Fahrt nach Norwegen war lang, aber auch aufregend: Wir waren alle gespannt, was uns in den nächsten Tagen erwarten würde. Jede Gruppe wurde an einem anderen Punkt im Rondane-Nationalpark abgesetzt. Wir wanderten jeden Tag etwa 13 Kilometer – das klingt nicht viel, aber mit schwerem Rucksack, ohne Handy, ohne richtige Toiletten und mit unberechenbarem Wetter ist es dennoch anstrengend. Trotz aller Höhen und Tiefen hatten wir Spaß. Am ersten Tag wurde ich zusammen mit einem Jungen aus unserer Gruppe zur Tagesleitung gewählt. Wir mussten mit Hilfe einer Karte den richtigen Weg für die ganze Gruppe finden. Es war stressig, vor allem, als die anderen anfingen sich zu beschweren, dass ihnen kalt war oder sie müde waren. Es regnete und viele unserer Sachen wurden nass, sogar einige Zelte. Aber wir haben unser Bestes gegeben, ruhig und konzentriert zu bleiben. Am zweiten Tag kam die Sonne heraus, der Himmel war klar, und alle hatten sofort bessere Laune. Wir wanderten ungefähr dieselbe Strecke wie am Vortag, aber es fühlte sich viel leichter an. Ab diesem Tag war das Wetter meistens warm und sonnig, und wir gewöhnten uns an unseren Tagesablauf – aufstehen, die Zelte abbauen, auf dem kleinen Campingkocher kochen, stundenlang wandern und zwischendurch Pausen machen. Am vierten Tag wurde uns neues Essen für den Rest der Woche gebracht. Es war schön, frische Vorräte zu bekommen, aber unsere Rucksäcke wurden dadurch wieder viel schwerer. Am fünften Tag bestiegen wir einen Berg. Es war kein leichter Spaziergang mit schöner Aussicht am Ende – es war steil, voller loser Steine und manchmal sogar ein bisschen gefährlich, weil jemand hätte ausrutschen oder ein Stein hätte herunterfallen können. Wir achteten auf jeden Schritt und halfen uns gegenseitig. Oben angekommen, konnten wir unser Mittagessen mit einer unglaublichen Aussicht genießen. Auf dem Rückweg waren wir zwar müde, aber auch stolz auf uns selbst.
Am siebten Tag hatten wir unser Solo. Dabei wurde jeder allein an einen Ort geschickt, weit entfernt von den anderen, um Zeit allein in der Natur zu verbringen – ohne Ablenkung, ohne Gespräche, einfach nur man selbst. Was zunächst langweilig klingt, war am Ende einer der besten Teile unserer Reise. Wir hatten Zeit zum Nachdenken, zum Schreiben von Briefen an unser zukünftiges Ich, zum Zeichnen, Schlafen oder einfach nur zum Hören. Die Lehrer kamen alle paar Stunden vorbei, um nach uns zu sehen. Es war eine andere Art von Herausforderung – nicht körperlich, sondern mental – und ich habe viel darüber gelernt, in der Stille zu sein und mit mir selbst klarzukommen. Nachdem das Solo vorbei war, trafen wir uns wieder mit der Gruppe und erzählten uns gegenseitig von unseren Erfahrungen. Es war spannend zu sehen, wie unterschiedlich jeder seine Zeit erlebt hatte, obwohl wir alle dasselbe gemacht hatten. Am selben Tag kamen wir an einem See vorbei. Das Wasser war eiskalt, aber ein paar Jungs und Mädchen sprangen trotzdem hinein. Es war so ein Moment, in dem man einfach loslässt, lacht und den Augenblick genießt – egal, wie kalt es war. Am achten Tag erreichten wir den letzten Lagerplatz. Einige gingen nochmal im nahegelegenen Fluss baden, während andere einfach im Gras lagen und sich ausruhten, weil sie wussten, dass am nächsten Tag die letzte Wanderung bevorstand. Am neunten und letzten Tag von Outward Bound wachten wir voller Energie und Motivation auf. Wir wussten, dass das der letzte große Abschnitt war, und irgendwie machte das alles leichter. Während wir liefen, sangen wir Lieder, machten Witze und halfen uns gegenseitig bei den schwierigen Stellen auf dem Weg. Als wir endlich das Basislager erreichten, sahen wir, dass einige der anderen Gruppen schon da waren oder kurz hinter uns. Es war ein tolles Gefühl, alle wiederzusehen, sich zu umarmen, Geschichten auszutauschen und gemeinsam Snacks zu essen. Es lag Stolz in der Luft –wir alle hatten etwas wirklich Schwieriges geschafft. Auch wenn wir in verschiedenen Gruppen unterwegs gewesen waren, waren wir doch alle Teil von einer großen gemeinsamen Erfahrung. Die Rückfahrt war ruhig. Manche schliefen sofort ein, andere unterhielten sich leise mit ihren Freunden. Als wir wieder in Salem ankamen, reflektierten wir über die Woche, erzählten uns noch mehr Geschichten und hatten den Rest des Tages frei. Outward Bound ist viel mehr als eine Wanderung in Norwegen – es geht darum, mit Unbequemem klarzukommen, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die anders sind als man selbst, Verantwortung zu übernehmen, anderen zu vertrauen und herauszufinden, wozu man wirklich fähig ist. Es gab Momente, in denen ich müde, genervt oder sogar ängstlich war, aber es gab auch Momente, in denen ich so viel gelacht habe, dass mir der Bauch weh tat, in denen ich Ausblicke gesehen habe, die wie aus einer Postkarte aussahen, und in denen ich stolz auf mich war wie nie zuvor. Jede Person in unserer Gruppe hatte ihre eigenen Kämpfe und ihre eigenen Highlights, aber wir haben es gemeinsam durchgestanden – und das werde ich nie vergessen. Ich glaube, so eine Reise wie Outward Bound zeigt dir eine neue Seite an dir selbst – und auch an deinen Freundinnen und Freunden. Ohne Handys oder Internet redet man mehr, hilft mehr und nimmt seine Umgebung ganz anders wahr. Ich werde mich immer an diesen Berg erinnern, an den eiskalten See, an das ruhige Solo und an das Gefühl, beim letzten Hike zum Basislager zu wissen: Wir haben etwas Echtes geschafft. Etwas Hartes. Etwas Besonderes. Outward Bound war nicht einfach nur Wandern in Norwegen – es war ein Stück Erwachsenwerden, Lernen und Teil von etwas Größerem zu sein als nur man selbst.

















