13/05/2026

Demokratie beginnt im Kleinen

von Helena Ager, ABI 1 und Hannes Bick, ABI 1
Eine Schülerdelegation aus Salem beim Theodor-Heuss-Kolloquium in Stuttgart.

Was bedeutet es eigentlich, Demokratie zu gestalten? Diese Frage begleitete eine kleine Schülerdelegation der Schule Schloss Salem im April nach Stuttgart – zum Theodor-Heuss-Kolloquium und zur anschließenden Preisverleihung. Das Thema klang zunächst groß: „Zukunft gestalten – Chancen für eine resiliente Demokratie“. Doch schon während des Kolloquiums wurde deutlich: Demokratie ist kein abstrakter Zustand, sondern etwas, das Menschen täglich mit Leben füllen.

Besonders eindrücklich war die Begegnung mit den diesjährigen Medaillenträgern. Der Creator Marcant nutzt TikTok und Instagram, um rechtsextreme Positionen sachlich und faktenbasiert zu hinterfragen – auch dort, wo es unbequem und persönlich gefährlich wird. Das Bündnis „Dorfliebe für alle“ setzt in Thüringen auf Begegnung statt Konfrontation: mit Kulturveranstaltungen, Wanderungen und Gesprächsrunden. Was banal klingt basiert auf einer radikalen Idee: die Menschen wieder miteinander ins Gespräch zu bringen. Das Projekt „Playing History“ wiederum macht Geschichte interaktiv erfahrbar und zeigt, wie wichtig historisches Bewusstsein für demokratisches Handeln ist.

Zwei dieser Initiativen durfte die Salemer Delegation vorstellen. In der Vorbereitung und im Austausch vor Ort veränderte sich dabei auch der eigene Blick: Anfangs stand noch die Frage im Raum, ob vergleichsweise kleine Initiativen tatsächlich etwas bewirken können. Nach den Gesprächen lag die Antwort nahe: Die Stärke einer Demokratie liegt nicht nur in großen politischen Entscheidungen, sondern in der Summe vieler kleiner Handlungen. Die diesjährige Preisträgerin, Margrethe Vestager, konnte beim Kolloquium selbst zwar nicht anwesend sein, sie steht jedoch exemplarisch für den europäischen Blick auf Demokratie: Demokratische Werte müssen immer wieder verteidigt und gestaltet werden – auch über nationale Grenzen hinweg.

Die Projekte hatten alle eines gemeinsam: den Glauben daran, dass Demokratie funktioniert, wenn Menschen bereit sind, sich für sie einzusetzen. Demokratie ist nichts, das „die da oben“ für uns erledigen. Sie ist auch nichts, das einfach bestehen bleibt, nur weil es schon lange da ist. Sie lebt davon, dass wir sie ernst nehmen – und manchmal auch davon, dass wir uns trauen, unbequeme Fragen zu stellen. Oder, um es weniger pathetisch zu sagen: Vielleicht beginnt Demokratie genau da, wo wir aufhören zu denken, dass unser Beitrag zu klein ist. 

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