Die Vision der Schule Schloss Salem

„Gebt den Kindern Gelegenheit, sich selbst zu entdecken“

Die Schule Schloss Salem wurde 1920 von den Reformpädagogen Kurt Hahn, Prinz Max von Baden, Karl Reinhardt und Marina Ewald gegründet. Kurt Hahn gilt bis heute als Spiritus Rector unserer Schule. Er stellte die „7 Salemer Gesetze“ auf, die auch heute noch den Anspruch und die Aufgabe Salems bestimmen. Basierend auf traditionellen Werten, stehen die Gesetze ganz im Zeichen unserer ständig komplexer werdenden Lebenswelt:

1. Gebt den Jugendlichen Gelegenheit, sich selbst zu entdecken.
2. Sorgt dafür, dass Jugendliche Erfolg und Niederlage erleben.
3. Schafft den Jugendlichen Gelegenheiten, sich über die gemeinsame Sache selbst zu vergessen.
4. Schafft Zeiten des Schweigens – schafft Raum für Sammlung.
5. Übt die Vorstellungskraft, die Fähigkeit vorauszuschauen und zu planen.
6. Nehmt Spiel und Sport ernst, aber lasst sie nicht beherrschend sein.
7. Befreit die Kinder der Reichen und Einflussreichen von dem lähmenden Bewusstsein ihrer Bevorzugung.

Persönlichkeiten bilden – mit Mut und Vertrauen

Die Persönlichkeit der uns anvertrauten Schüler:innen in den Mittelpunkt unserer Arbeit zu stellen, hat in Salem Tradition. Wir fördern und fordern sie, und wir unterstützen sie dabei, ihre Stärken und Interessen zu entdecken und zu entfalten, gemäß dem Motto: Persönlichkeiten bilden mit Mut und Vertrauen.

Diese Maxime richtet sich jedoch nicht nur an die Schülerschaft, sondern auch an das Kollegium. Alle Verantwortlichen begleiten die Jugendlichen, damit diese Vertrauen in ihre Fähigkeiten und den Mut entwickeln, um sich den Herausforderungen des Lebens zu stellen.

Warum ist uns neben einer qualitativ hochwertigen akademischen Ausbildung das Internat als Lebensform so wichtig?

Das Internat ist das Herzstück der Salemer Pädagogik: Hier werden die Werte der Salemer Gemeinschaft im engen Zusammenspiel der Schüler-, Lehrer- und Mentorenschaft sowie den Eltern vermittelt und aktiv gelebt. Dabei ist eine wechselseitig wertschätzende Beziehung aller Menschen Grundlage des Zusammenlebens. Die Schüler:innen lernen unter Gleichaltrigen und Erwachsenen, mit der realen Lebenswelt umzugehen. Im geschützten Bereich des Internats können sie sich ausprobieren, aus Fehlern lernen und Selbstbewusstsein aufbauen – sei es im Unterricht, in den Diensten, Innungen und Musen, aber auch bei der Ausübung ihrer Ämter, in der Schülermitverantwortung sowie im Rahmen der Salemer Erlebnispädagogik. Dabei bemühen wir uns stetig, den besonderen Wohn- und Lernort „Internat als Lebensform“ gemeinsam mit den dort Arbeitenden und Lernenden zu überprüfen und zu verbessern.

Tradition im Zeichen einer neuen Generation

Vor dem Hintergrund unseres traditionsbedingten Selbstverständnisses ist es für uns ebenso wichtig, den Kontext des Lebensgefühls der heutigen Generationen im Auge zu behalten. So wollen wir die uns anvertrauten Jugendlichen stärken und auf kommende Herausforderungen vorbereiten, damit sie eines Tages Verantwortung für sich und auch für andere und für das gesellschaftliche Gemeinwesen als Ganzes übernehmen können. Schließlich gründete Kurt Hahn bewusst eine „Schule als Staat“, in der die Jugendlichen nicht nur ihre Rechte, sondern auch ihre Pflichten wahrnehmen lernen. Neben einer Haltung der Wahrhaftigkeit sollen sie auch Zivilcourage entwickeln sowie den Mut, für das als Recht erkannte einzustehen. Für diesen Prozess haben wir einen „Salemer Wertekompass“ gestaltet, der auf drei zentralen anthropologischen Faktoren beruht:

Verantwortung – Beziehung – Selbstentfaltung

Das tägliche Schul- und Internatsleben wird maßgeblich von diesen drei Begriffen bestimmt. Dabei müssen alle Verantwortlichen stets prüfen, ob unsere strukturellen, personellen und organisatorischen Rahmenbedingungen diesem Bildungsauftrag angemessen sind oder einer Anpassung bedürfen. Ausgetretene Pfade sind bequem, können aber auch ins Gestrige zurückführen. Darum müssen wir mit dem Blick in die Zukunft gerichtet unserem anspruchsvollen Bildungsauftrag immer wieder aufs Neue gerecht werden, damit Salem auch weiterhin positiv auf die Gesellschaft einwirken kann.