21.11.2019
30 Jahre Mauerfall – Zeitzeugen zu Gast an der Schule Schloss Salem
Beim Vortragsabend in der Aula des Härlen am Samstag, 9. November 2019, lauschten Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 11 und 12 und viele weitere Zuhörer gespannt den Berichten der drei geladenen Zeitzeugen.

Den Auftakt machte Regine Huppenbauer-Krause, Pfarrerin i. R. und fast 30 Jahre lang Schulpfarrerin der Landesschule Pforta in Thüringen. Sie wurde 1951 in der DDR geboren und beschrieb, wie mit dem Tag des Mauerbaus 1961 ihre Kindheit endete. Da sie in jenen Tagen mit einem gebrochenen Bein im Krankenhaus lag, mussten ihre Mutter und sie in der DDR bleiben. 1984 durfte Regine Huppenbauer-Krause als Mitglied der Kirche für ein Jahr nach England reisen. Als sie nach vielen Gesprächen, auch mit der Stasi, tatsächlich nach Westberlin ausreisen durfte, war dies ein sehr emotionaler Augenblick, quasi ein vorgezogener Mauerfall.

In England lernte sie dann ihren späteren Mann kennen, Ulrich Huppenbauer, Pfarrer i. R. und Gefängnisseelsorger. Aus Liebe zu ihr siedelte er 1987 freiwillig in die DDR über. Er beschrieb seine Übersiedlung als höchst komplizierten Vorgang: „Es gab nur Vereinbarungen für Bürger, die vom Osten in den Westen ziehen wollten, aber nicht umgekehrt“.

Jon Greenwald war am 9. November 1989 diensthabender Diplomat in der US-amerikanischen Botschaft in Ostberlin. Zunächst wollte er Ende der 80-ger in Warschau arbeiten: „Dort wehte schon der Geist von Glasnost und Perestroika“, doch aus familiären Gründen zog er dann nach Ostberlin. Er hätte nicht damit gerechnet, den historischen Tag des Mauerfalls zu erleben. Er beschrieb kurz die verschiedenen Ereignisse im Herbst 1989 und den Moment der berühmten Pressekonferenz um 18 Uhr am 9. November 1989. Er sei davon ausgegangen, dass nun die bürokratischen Mühlen in Gang gesetzt würden, lange Schlangen vor den Ämtern und in ca. 2 Wochen würden die ersten Ostberliner ausreisen können. Dann überrollten ihn die Ereignisse. Auf dem Nachhauseweg sah er viele Menschen Richtung Mauer gehen, er bekam Angst vor blutigen Ausschreitungen und einem 3. Weltkrieg. Als er deshalb in der Botschaft anrief, sagte man ihm: „Machen Sie den Fernseher an, die Mauer ist offen“. Im Anschluss an die interessanten Impulsvorträge konnten die Zuhörer Fragen an die Zeitzeugen stellen. 

Silke Stahl

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Persönlichkeiten bilden.