15.11.2019
Formal Dinner am Sankt Martinstag
Die Jahrgangsstufen 5 bis 10 feierten den Sankt Martinstag am 11. November 2019 bei einem Formal Dinner mit leckerer Martinsgans im festlichen Speisesaal. Internatsleiter Stefan Steinebach hielt eine außergewöhnliche Rede.

Rede zum Sankt Martins-Dinner von Stefan Steinebach, Internatsleiter in Salem:

Am 9. November, am Samstag, haben wir den 30. Jahrestag des Falls der Berliner Mauer gefeiert. Für die meisten von euch war dieser Event bestenfalls interessant, da keiner von euch damals auf der Welt war und selbst viele eurer Eltern zu jung waren, um sich noch richtig daran zu erinnern.

Für mich, abgesehen von meiner Heirat mit der wunderbarsten Ehefrau auf der Welt und der Geburt meiner drei Kinder, gehört dieses Ereignis zu den bemerkenswertesten meines Lebens.

Einige Monate vor dem 9. November 1989 entschloss sich mein Geschichtslehrer, eine Berlinfahrt mit unserem Gemeinschaftskunde LK für die zweite Novemberwoche zu organisieren. Die Fahrt sollte am 10.November beginnen. Als dann die Ereignisse des 9. Novembers geschahen, dank der falschen Auslegung einer Nachricht bezüglich der geänderten Visa Regularien zwischen der Grenze der DDR und der BRD und wir die Bilder im Fernsehen  sahen von Menschen, die auf die Mauer kletterten und durch die Check Points vom Osten in den Westen gingen, „Verbrechen“, für die man am Tag zuvor noch erschossen worden wäre, diskutierte man in meiner Schule, ob es nicht viel zu gefährlich für uns Schüler sei, am nächsten Tag für eine Woche nach Berlin zu fahren.

Ich bin meinem Deutschlehrer Herrn Müller noch immer und für alle Ewigkeit dankbar, der argumentiert hatte, dass diese Geschehnisse zukünftig als weltbedeutend eingestuft werden würden und es ein Riesenfehler wäre, würde man diese Gelegenheit ungenutzt lassen, dieses live mitzuerleben.

Da waren wir also, am nächsten Tag, durch leere Check Points ohne Wachpersonal durch das Gebiet der DDR nach Berlin fahrend. Dort angekommen, sind wir natürlich sofort an die Mauer gegangen, wo wir von geschäftstüchtigen Berlinern gegen eine Gebühr von 5 DM einen Hammer und einen Meißel in die Hand gedrückt bekamen und wir uns für eine Stunde an der bis dahin gefährlichsten und tödlichsten Grenze in der Geschichte zu schaffen machen durften. Ein relativ großes Stück dieser Mauer sitzt immer noch in meinem Büro zu Hause und erinnert mich an dieses unglaubliche Ereignis, welches die Welt auf immer veränderte.

Ohne dieses Ereignis, würdet all ihr wunderbaren Kinder aus Russland, der Ukraine, Rumänien, Bulgarien, Tschechien, Polen, der Mongolei, Ungarn, Kasachstan, das ehemalige Jugoslawien – verzeiht, wenn ich nicht alle früheren sog. Ostblockländer genannt habe, nicht hier unter uns sitzen und dieses leckere Essen genießen.

Ihr fragt euch vielleicht, was das mit St Martin zu tun hat?

“Viel” – würde ich antworten.

Wenn wir St Martin feiern, feiern wir eine historische Figur, die etwas Außergewöhnliches vollbrachte. St Martin zeigte uns durch seine Haltung und Handlungen, dass man die Welt verändern kann. Durch sein Beispiel feiern heute Millionen Menschen in Deutschland und auf der ganzen Welt jedes Jahr am 11. November ein Ereignis, durch welches Licht in die Dunkelheit gebracht wurde.

Das gleiche gilt für die Ereignisse in Ostdeutschland vor 30 Jahren. Hätte es nicht diese prinzipientreuen und mutigen Individuen gegeben, die für ihre Menschenrechte eintraten, besonders das der persönlichen Freiheit, würde die Mauer vielleicht noch immer unser Land teilen. Es waren diese einzelnen Menschen, die Andere dazu inspirierten, auf die Straße zu gehen und für ihre Rechte zu demonstrieren. Sie brachten ebenso Licht in die Dunkelheit und der Umstand, dass wir alle heute Abend hier zusammensitzen, haben wir diesen mutigen Menschen zu verdanken.

Kurt Hahn und Prinz Max von Baden, unsere Gründungsväter, hatten die gleiche Idee, als sie unsere Schule Schloss Salem vor 100 Jahren an diesem Standort etablierten: Junge Menschen zu erziehen, damit sie als leuchtende Vorbilder in die Welt hinausgehen. Unser Ziel als Lehrer und Mentoren ist es, euch zu helfen, verantwortungsvolle, ehrliche, disziplinierte, prinzipientreue und mutige Führungsmitglieder unserer Gesellschaft zu werden.

Stefan Steinebach

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Persönlichkeiten bilden.